Detail 'Frida und Diego', 2001
Die Technik der Collage durchzieht das Werk Ursula Rauchs als formale Konstante und verweist beständig auf das Prinzip von Zerstörung als Voraussetzung für die Erschaffung von Neuem. Die Collage wird in den verschiedenen Medien angewandt und erstreckt sich auch auf die Verwendung sehr heterogener Materialien bis hin zum Einsatz von "objets trouvés".
In den textilen Arbeiten ist das additive Prinzip der Collage vielfach erkennbar: Stoffe werden zerrissen und neu zusammengefügt, verschieden große Formate auf Keilrahmen aufgespannt ergeben zusammen ein größeres Ganzes. Ursula Rauch setzt unterschiedlichste Medien ein wie Wachsmalerei, ausgeschnittene grafische Zeichen, lineare Stickerei, Patchwork-Zitate, Repro-Druck, Kissenreliefs, Metallteile, unbearbeitete gemusterte Stoffe oder gefärbten, bemalten und bedruckten Stoff unterschiedlicher Qualitäten. Auch Objekte entstehen gemäß dem additiven Prinzip: Stelen aus Holz, Textil und Metall werden aus Einzelteilen zusammengefügt, Fundstücke ergänzen kleine geschnitzte Figürchen und bemalte Kastenobjekte aus Holz sind mit Textilelementen kombiniert.
Die gegenseitige Beeinflussung von Bild und Objekt ist ein wichtiger Entwicklungsimpuls der Arbeit. Während der thematische Zusammenhang gewahrt bleibt, ist es die Konzentration auf jeweils einen der beiden zentralen Werkbereiche, die die Weiterentwicklung des anderen Bereichs erst ermöglicht. Technische und formale Ebenen finden ihre Entsprechung in den thematischen Schwerpunkten Ursula Rauchs. Ein Beispiel dafür ist die von den Cuna-Indianerinnen angeregte Schnitttechnik, genannt Mola. Mit dem Schneiden in den Stoff vollzieht Ursula Rauch physisch den "Schnitt in den Körper", den Akt des Zerstörens von weichem, nachgiebigem Material.
Die formale Entwicklung im Werk von Ursula Rauch kann als ein fortdauernder Prozess der Abstraktion begriffen werden. Aus einst figürlichen Darstellungen entstehen über Jahre ganze Zeichensysteme, die Hieroglyphen oder Schriften ähneln. Insbesondere drei "Alphabete" begründen ihre spezifische Zeichensprache, stehen stellvertretend für Pflanzen, Tiere, Menschen oder Werkzeuge: Die Gruppe der spitzen, messerähnlichen und pflanzlichen Formen, das Alphabet mit den geometrischen und eckigen Zeichen und die linearen "Venussymbole".